14. Dezember 2019

340 Kubikmeter Beton: Nun hat die Tiefgarage am Kipphut ein Dach

Eine logistische Herausforderung – an nur einem Tag muss die Betonage abgeschlossen sein

Die Hälf­te der Decke ist schon beto­niert, die ande­re muss noch beto­niert wer­den: So sah es am Frei­tag auf der Bau­stel­le am Kipp­hut aus. Foto: Kathi Flau

Von Kathi Flau

Sar­stedt. „Beto­na­ge“ heißt das, was am Frei­tag von mor­gens um 7 Uhr bis zum spä­ten Nach­mit­tag die Bau­ar­bei­ter beschäf­tig­te, die dort ein neu­es, acht­stö­cki­ges Wohn­ge­bäu­de hoch­zie­hen. Heißt: An einem ein­zi­gen Tag flie­ßen 340 Kubik­me­ter Beton auf den dafür vor­be­rei­te­ten, 930 Qua­drat­me­ter umfas­sen­den Boden, der ein­mal die Decke der Tief­ga­ra­ge und der Grund des Hau­ses sein wird.

 

Da muss alles zusam­men­lau­fen“, sagt Archi­tekt Mat­thi­as Kauf­mann, der für die Hil­des­hei­mer Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft (kwg) den Fort­gang des Bau­pro­jekts koor­di­niert. „In der Decke sind 15 Ton­nen Stahl ver­baut, da muss alles kor­rekt und abge­nom­men sein, bevor wir mit dem Beton kom­men können.“

 

Der läuft aus den Beton­mi­schern durch einen hoch auf­ge­häng­ten, über­di­men­sio­na­len Schlauch, den die Arbei­ter so über die Metall­schie­be lei­ten, dass sich das Gemisch gleich­mä­ßig über die Stahl­stä­be ergießt. „Ganz schwe­re kör­per­li­che Arbeit“, sagt Kauf­mann aner­ken­nend. „Wer das einen gan­zen Tag lang macht, der weiß abends, war­um ihm alle Mus­keln weh tun.“

 

Kalt wer­den kann den Bau­ar­bei­tern so schnell nicht. Vom Wind, der Käl­te, vom immer wie­der ein­set­zen­den Regen mer­ken sie offen­bar nichts. „Nee“, sagt nun auch Beton­bau­er­po­lier Bernd Dowe, der ja eben­falls den gan­zen Tag auf der Bau­stel­le zubringt, „ganz im Gegen­teil, das ist für die Beto­na­ge ein super Wetter.“

 

Schließ­lich ent­wick­le das Mate­ri­al beim Abbin­den jede Men­ge Wär­me. „Das kommt nicht so sehr zum Tra­gen, wenn wir kaum Plus­gra­de haben“, sagt Dowe. Dass der Tag der Beto­na­ge ein beson­de­rer Tag in die­sem Bau­vor­ha­ben ist, dar­über sind sich Archi­tekt und Polier einig: „Da gibt es wirk­lich viel zu koor­di­nie­ren“, sagt Kauf­mann. „Das ist toll, aber das ist auch Stress.“

 

Der Lohn für die Mühe ist immer­hin ein bis­lang ein­ge­hal­te­ner Zeit­plan – für ein so gro­ßes und teu­res Bau­vor­ha­ben nicht unbe­dingt selbst­ver­ständ­lich, wie Kauf­mann sagt. „Das Gan­ze kos­tet 7,5 Mil­lio­nen, da hofft man dann schon, dass alles recht­zei­tig klappt.“

 

85 Tonnen Stahl sind in dem Gebäude – so, wie es jetzt steht – bislang verbaut worden, 15 davon allein in der Decke der Tiefgarage.

 

Wenn das Hoch­haus dann tat­säch­lich plan­mä­ßig im April 2021 fer­tig sein soll­te, dann wer­den hier 22 Woh­nun­gen mit zwei bis drei Zim­mern ent­stan­den sein, dazu eine Kin­der­krip­pe im Erd­ge­schoss mit zwei Grup­pen für jeweils 15 Mäd­chen und Jun­gen im Alter bis zu drei Jah­ren. Dar­über, im ers­ten Ober­ge­schoss, wird eine Senio­ren-Wohn­grup­pe mit zehn Appar­te­ments ent­ste­hen. Die­se bei­den Ein­rich­tun­gen wer­den die Johan­ni­ter betrei­ben – der Rest der Flä­che wird mit Wohn­raum bebaut, der dann an pri­va­te Mie­ter geht.

 

Eine schö­ne Mischung aus Jung und Alt“, hat­te Klaus Bru­er, der Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de der kwg das Kon­zept genannt, für des­sen pla­ne­ri­schen Ent­wurf das Hil­des­hei­mer Archi­tek­tur­bü­ro Hirsch ver­ant­wort­lich zeichnet.

 

Und nun ist auf dem Weg zur Umset­zung wie­der ein ent­schei­den­des Stück geschafft, meint Archi­tekt Kauf­mann. Ange­sichts der der­zei­ti­gen „Voll­be­le­gung der Stadt“, wie Bür­ger­meis­te­rin Hei­ke Bren­ne­cke die Wohn­raum­si­tua­ti­on in Sar­stedt noch im ver­gan­ge­nen Okto­ber beschrieb, kön­ne man froh sein, wenn sich der Markt durch so einen Neu­bau zumin­det etwas entspanne.

 

Laut Anga­ben der Stadt­ver­wal­tung kom­men der­zeit in Sar­stedt auf ein Miet­an­ge­bot im Schnitt etwa 90 Interessenten.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung (Sar­sted­ter Anzei­ger), 14. Dezem­ber 2019

 
Veröffentlicht unter 2019